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www.thisiswideangle.de

@Vor 3 Jahren

Photograph without a cause

In den bisherigen Einträgen ging es unter anderem öfter mal um die Frage, wie man mit Fotografie um geht und wie und warum man fotografiert. Ich hoffe sehr, dass ich nicht den Eindruck erweckt habe, ich wolle auch nur irgendjemandem vorschreiben wie, oder gar ob er zu fotografieren hat, denn ich will eigentlich anregen, was auch ein Beweggrund ist diesen Blog zu schreiben, dass Fotografie eine Auseinandersetzung braucht.
Natürlich gibt es flickr und die Fotocommunity und Blogs und was weiß ich noch alles, aber ich habe bisher nirgendwo eine Diskusionskultur erlebt, die interessant und lebhaft über die eigentlichen Inhalte der Fotos geführt wird.
Nirgendwo geht es über die oberflächliche Bewertung eines Bildes hinaus, was wirklich schade ist, denn das ist genau der Punkt, wo meiner Meinung nach Fotografie erst interessant wird.

Fotografie ist, egal was der Fotograf beabsichtigte, immer eine Dokument. Selbst absolute Schnappschüsse enthalten Informationen, die sie uns mitteilen. Sie geben uns die Möglichkeit, auch wenn wir kaum persönlichen Bezug zum festgehaltenen Ereignis haben, in die Lage, uns in den Moment versetzen zu können. Sie vermitteln und setzen Emotionen und Erinnerungen frei.
Wenn ich irgendwo zu besuch bin und es hängen Bilder im Flur und im Wohnzimmer, dann kann ich gar nicht anders als sie mir ansehen zu müssen. Das ist bei mir wie ein Reflex. Genauso schaue ich mir oft auch den Rest des Raums an, denn das alles erzählt mir etwas über die Personen, die darin leben und die Fotos sind kleine Erzählungen über das, was sie erlebt haben.
Ich glaube das geht jedem so. Ich hoffe das ist eine ganz natürliche Neugier.
In der Werbefotografie wird genau das auf einem künstlichen Weg versucht, mal mehr, mal weniger erfolgreich. Es werden Neugier entfacht, Bedürfnisse geweckt, Emotionen geschürt, Geschichten erzählt.

Jedes Bild ist Information und die formale und ästhetische Qualität eines Bildes unterstützt nur, mehr nicht. Eine Fotografie kann technisch noch so perfekt sein, die Bildgestaltung so gut wie es nur geht und andere gestalterische Möglichkeiten noch so ausgefuchst, im Grunde kann es bei dem allen nur darum gehen, dass das, was man mit dem Bild vermitteln wollte verdeutlicht wird.
Diesen Aspekt vermisse ich bei fast allen Diskusionen, denn es dreht sich alles nur um das formal Oberflächliche und oft habe ich den Eindruck, dass viele fotografieren, weil sie Fotografie machen wollen, die ihrem Sinn von Ästhetik entspricht und wissen nicht, dass sie das Pferd von hinten aufzäumen.

Ich habe angefangen diesen Blog zu schreiben, kurz nachdem ich ein BarCamp über Fotografie besucht habe. Was ein BarCamp ist, wußte ich vorher auch nicht und so ganz sicher bin ich mir immer noch nicht. Es ist wohl sowas wie ein Kongress, nur viel freier und nicht so steif. Ein BarCamp ist scheinbar ein Kind der Socialmedia, denn vernetzt und organisiert wird vorher und nachher über Internet, was wohl auch dazu führte, dass ich wohl einer von nur ganz wenigen war, der von den Anwesenden auch sein Geld mit Fotografie verdient, denn wenn Berufsfotografen etwas nicht mögen, dann ist das Neues und Konkurenz.
Es gab kleine Workshops, Vorträge und ganz nette Diskusionen, aber das was den größten Eindruck hinterlassen hat war ein Gespräch in kleiner Runde, in dem eine der Anwesenden erzählte, dass sie erst seit sehr kurzer Zeit selbst fotografiert. Sie ist seit ein paar Monaten Mutter und sie will ihrer Tochter ein Buch gestalten, mit Fotografien von Tieren, die ihnen unterwegs begegnen.

Das ist so ziemlich der beste Grund mit dem Fotografieren an zu fangen, den ich seit Jahren gehört habe. Das ist so gut, dass ich schon selbst angefangen hab.

@Vor 3 Jahren mit 1 Anmerkung

Wandern und fotografieren

Passen zusammen wie Pizza und Sitcoms, Autofahren und laut Musik hören und rote Sakkos und Volksmusik.

Also die perfekte Kombination und für mich ist es morgen wieder soweit: ich fahre für ein paar Stunden in die Eifel und genieße die letzten hellen Stunden bevor uns der Winter heimsucht.

So schön…

@Vor 3 Jahren mit 1 Anmerkung

Unschuld, Inspiration, Verzweiflung

Über "How to ignore "How-to" Guides" von Gregory Simpson auf www.ultrasomething.com

So etwa 14 Jahre alt müßte ich gewesen sein, als ich begann “ambitioniert” zu fotografieren, was allerdings in den Ergebnissen nicht viel bedeutete. Damals war die Welt noch analog und vom Zeitpunkt der Aufnahme des Fotos an, dauerte es ein paar Tage, oder vielleicht sogar Wochen, bis man es betrachten konnte. Die Filme selbst und auch die Entwicklung kosteten Geld und wenn man dann nach einer gewissen Zeit die Bilder im Drogeriemarkt abholen konnte, dann hatte man Papierabzüge in der Hand die Endgültig waren, sich kaum bearbeiten ließen. Ich machte also, wenn ich fotografierte 36 Bilder, vielleicht auch mal mehr und wenn ich den zweiten Film nicht voll bekam, dann musste ich eben warten. Die Sparsamkeit verordnete Geduld.
Als Kamera diente eine alte Minolta Spiegelreflex aus den 70ern, geliehen von meinem Vater und später eine eigene Minolta Spiegelreflex aus den 90ern, gekauft vom eigenen Geld. Ab mitte der Neunziger bis ins neue Jahrtausend hinein, als die Fotografie digital wurde, war die Kameratechnik auf einem absoluten Tiefpunkt. Der Großteil der zu dieser Zeit verkauft wurde war Schrott, der von einer Kamera aus der selben Klasse, produziert in den 80ern qualitativ locker geschlagen wurde. Viel zu spät erkannte ich, dass ich die alte Minolta meines Vaters, meiner neuen in jedem Fall hätte vorziehen sollen.

Bevor ich jetzt anfange zu erzählen, wie weit ich damals durch knietiefen Schnee zum nächsten DM gelaufen bin, um meine Fotos entwickeln zu lassen: Das waren die Rahmenbedingungen unter denen ich mich auf den Weg machte ein Fotograf zu werden. Im übertragenden Sinne tatsächlich ein langer Weg der zumindest einige Steine bereit hielt und nur zu Fuß passierbar war. Und er war einsam: In meinem Freundeskreis war ich tatsächlich der einzige mit diesem Hobby und sogar in der Schule gab es zwar eine Dunkelkammer, aber so wenig Interesse, dass eine Foto-AG nie zustande kam.

Wie haben sich die Zeiten geändert! Heute fotografiert so ziemlich jeder irgendwie und viele sogar mit den Ambitionen Fotografie zu machen, wie immer das dann auch aussehen mag. In den vergangenen zehn Jahren hat sich so vieles vereinfacht und die Wege und vor allem “der Weg” sind so kurz geworden, dass jeder, der wirkliches Interesse hat nur wenige Monate braucht um die Technik so weit zu beherrschen, dass er zumindest fehlerlose Bilder macht.
Ich war immer ein wenig neidisch auf Leute, die erst seit zwei Jahren fotografieren und technisch ähnlich weit waren wie ich.

Der Grund warum ich anfing zu fotografieren war, dass ich einen Weg suchte mich irgendwie aus zu drücken. Ich liebte Filme. Ganz besonders die visuell beeindruckenden, die ihre Geschichte auch über die Bilder erzählten und Welten schufen, die eine Wirklichkeit als Ästhetik zeigten. Ich konnte keine Filme drehen, aber Film ist ja eigentlich Fotografie, nur bewegt und seit Neuestem mit Ton.
Also versuchte ich mich an einer fotografischen Interpretation meiner Umwelt. Meine Vorbilder waren keine Fotografen, sondern Regisseure wie Kubrick, Burton und Leone, aber meine Motive alles andere als filmreif, was mich dazu zwang weniger zu kopieren, als vielmehr ab zu gucken zu inszenieren, also ein Bild auf zu bauen, unabhängig von Motiv und Technik.

So lernte ich Linienführung und Bildaufteilung sehr langsam, aber intuitiv. Vom goldenen Schnitt hörte ich tatsächlich zum ersten Mal in meiner Ausbildung. Meine Technik beherrsche ich ehrlich gesagt bis heute noch nicht so, wie ich eigentlich sollte, denn sie war bei mir in meiner eigenen Fotografiewelt nur Mittel zum Zweck. Diese intuitive Art war während meiner Ausbildung zum Produkt-, Werbe- und Architekturfotografen kaum hilfreich. Eher im Gegenteil, denn nun musste ich das, was ich vorher unbewusst gemacht habe bewusst und nach Konzept machen und es widerstrebte mir fast körperlich mich darauf einzulassen. Es gab eine Zeit, da hatte ich das Intuitive fast verloren und war auch deswegen so frustriert, dass ich dachte, dass Fotografie nicht mehr das richtige für mich ist.
Irgendwann kam der Zeitpunkt da konnte ich dann trennen zwischen Handwerk, das zu beherrschen ich dann gelernt habe und dem was mich immer noch trieb zu fotografieren, seit der Zeit in der ich versuchte durch eine Kamera Ausdruck zu finden.

Seit ein paar Jahren gelingt es mir immer öfter vielleicht beide Welten zu versöhnen und sowohl meiner Intuition zu vertrauen, als auch Konzepten zu folgen.

Worauf ich eigentlich hinaus wollte ist die fabelhafte Beobachtung die Gregory Simpson in seinem Blog festgehalten hat. Sein Modell passt tatsächlich sehr gut auf alle möglichen Fotografierenden im meinem Umfeld, nur ist es nicht ganz komplett, ohne auf die Gründe einzugehen, die meiner Meinung nach zu den zwei Wegen führen:
Ich glaube viele, die den ersten Weg gehen, kamen zur Fotografie nicht wegen der Fotografie, sondern wegen der Technik, die soviele Möglichkeiten zum Vertiefen, Fachsimpeln, Sammeln und Diskutieren bietet, wie andere Hobbies wie Modellbau, oder Autotunen. In vielen Diskusionen geht es irgendwie oft eher um die Technik und Leistung, als um das Bild selbst. Eine tiefere Auseinandersetzung mit Fotografie an sich findet hier gar nicht statt und ist vielleicht auch gar nicht gewollt.
Auflösung, Schärfe, Vergrößerungsfaktor und so schöne Spielereien wie der HDR-Technik und Erstellung von Panoramen sind da interessanter als sich mit Bildbänden und Fotografen auseinander zu setzen.

Ich habe irgendwann auch andere Fotografen entdeckt und was mir von Cartier-Bresson, Corbijn, Adams und Shulmann (um nur mal die Größten zu nennen) gegeben wurde, das möchte ich nicht missen. Wem der eigene Horizont zu eng wird, dem rate ich jedenfalls auch sich soviel an zu sehen wie möglich und wer noch weiter will, der holt sich Inspiration auch woanders, zum Beispiel im Film, oder wie Henri Cartier-Bresson in der Malerei.

Wer Reportage- und Straßenfotografie mag, dem empfehle ich unbedingt “Meisterwerke: Photographien” von Henri Cartier-Bresson, herrausgegeben von Schirmer/Mosel. Nicht nur wegen einer sehr schönen Auswahl von Fotos aus seinem Lebenswerk und des geringen Preises, sondern auch wegen des großartigen Essays vom Meister selbst, das ich las, als ich gerade im Flugzeug saß nach Lissabon, um dort ein paar Tage nichts anderes zu tun, als mich mit meiner Kamera in den Straßen zu verirren und mit die schönste Zeit meines Lebens zu haben.

Wenn ich nur wüßte, warum meine Hände, seit ich Anfing diesen Eintrag zu schreiben, so nach Schwarzweißentwickler riechen…

(Quelle: twitter.com)

@Vor 3 Jahren

Meta-Art

"This painting is not available in your country"
Paul Mutant, 2010

http://www.flickr.com/photos/paulmutant/4992725876/

Empfangen als Tweet

@Vor 3 Jahren

Chris Jordan - Running the Numbers

Täglich werden wir konfrontiert mit Dingen, die wir nicht instande sind zu begreifen. Vor allem die Zahlenspielereien der Medien haben einen Grad der Abstraktion erreicht, bei dem es auch zunehmend egal zu sein scheint, dass immer öfter mehr oder weniger bewußt die Verhältnisse verschwiegen werden, die diesen Zahlen zugrunde liegen.

Wie viel Öl ist im Golf von Mexiko nochmal ausgelaufen? Wie viele Menschen sind übergewichtig? Wie viele Menschen sterben jedes Jahr an Krebs?
Genannt werden Zahlen, die empirisch belegt werden können, denen jededoch die Greifbarkeit abhanden gekommen ist, weil niemand in der Lage sein kann, sich eine Menge von 800 Millionen Litern reinen Alkohols vor zu stellen, die in Deutschland jedes Jahr getrunken wird.

Chris Jordan ist ein Fotograf, der versucht hat diese Verhältnisse mit visuellen Mitteln dar zu stellen. Erfolgreich war er jedenfalls in der Hinsicht, dass man begreift, dass man nichts begreift, aber dass es sich zumindest lohnt über seine Rolle in einer Gesellschaft nach zu denken, die längst jeden Bezug zu sich selbst verloren hat.

Das Ted-Video ist vielleicht schon etwas älter, ich vermute aber, dass sein Projekt Running the Numbers an Aktualität nicht mehr verlieren wird.
Seine Seite ist wirklich faszinierent und toll gemacht. www.chrisjordan.com

@Vor 3 Jahren mit 1 Anmerkung

A Horse, A Horse. A Kingdom For A Horse.

Oder auch: I was hiking about 22 kilometers and all i shot was a pony and some crappy trees.

Wie euphorisch angekündigt, habe ich meinen Plan umgesetzt mir einen freien Tag zu nehmen und in der Eifel wandern und fotografieren zu gehen.
Ich hatte mir eine Route ausgesucht, hab meine Ausrüstung bereitgelegt, den Rucksack gepackt und mich früh schlafen gelegt. Bevor ich aufs Schuhe schnüren und Brote schmieren eingehe, nehme ich mal vorweg, dass die ganze Sache mehr oder weniger in die Hose ging und ich vor lauter Ambitionen und Erwartungen den eigentlichen Sinn von “Wandern und Fotografieren” aus den Augen verloren hab.

Der eigentliche Sinn von “Wandern und Fotografieren”:
Ich wandere los. Einfach so. Und während ich wandere, lasse ich mir Zeit.
Wenn ich normalerweise auf meinen zwei Beinen stehe und diese bewege, dann versuche ich ja ganz klassisch von A nach B zu kommen.
(Es ist schwer solche Sachen in Worte zu fassen und dabei ohne Phrasen aus zu kommen, deswegen bitte ich um Nachsicht.)
Ich bin dann oft ein schneller Geher. Ich überhole andere Menschen, bin ungeduldig, wenn die Ampel rot zeigt (und gehe sogar manchmal bei rot!) und wenn ich mich in der Kölner Schildergasse zusammen mit einer größeren Anzahl von Menschen bewegen muss, dann verkrampfe ich.
Wenn ich wandere, dann sollte das anders sein.

Kurzer Einschnitt (eher Ausritt): Ich möchte die ganze Zeit die “der Weg ist das Ziel”-Phrase bringen, aber das Problem mit diesen Phrasen ist die fehlende persönliche Verbindung, weil man sie öfter gehört und gelesen hat, als einem lieb ist. Es gibt Menschen deren Kommunikation basiert nur auf Phrasen und obwohl ich mich für einen ganz okayen Menschenkenner halte, finde ich hinter diesen Phrasen nie eine greifbare Persönlichkeit. Es ist nicht so, dass ich sagen will, dass diese Leute keine Persönlichkeit hätten, aber sie ist wahrscheinlich irgendwo versteckt. Vielleicht aus Unsicherheit.

Unsicherheit ist ein gutes Stichwort, denn ich glaube Unsicherheit spielt auch immer eine Rolle, wenn man sich Pläne zurecht legt und vornimmt. Ich hatte mich sehr auf meinen Wandertag gefreut, denn ich bin seit Anfang Juli nicht mehr gewandert und hatte mir so richtig was vor genommen. So in “Jetzt aber!”-Manier. Das galt sowohl für das sportliche, als auch für das fotografische, denn da hatte ich mir schon wirklich etwas zurecht überlegt, wie und in welcher Art und so weiter. Denn ich wollte ja auch nicht umsonst im Auto sitzen, den Tag auf den Kopf hauen und mir die Füße platt laufen. Es sollte schon toll werden. Rundum.

Ich werde auf jeden Fall wieder wandern gehen, keine Frage. (So bald allerdings nicht.) Aber ich habe mir ein paar Regeln überlegt, an die ich mich halten will das nächste mal und da ich ein eher unaufgeräumter Mensch bin und das Internet nie vergisst, schreibe ich sie mal hier hin. Vielleicht helfen sie ja auch jemand anderem.

  1. Wer wandert steht in keinem Wettbewerb. Ich habe mir eine Tour ausgesucht, die 17 Kilometer lang ist, weil ich so eine Distanz auch im Sommer schon gewandert bin und ich, wie gesagt, sehr ambitioniert geplant hab. Schlussendlich bin ich dann, (nicht weil ich so motiviert war) 22 Kilometer gelaufen. Dazu später mehr.
  2. Ich hab nicht gut geschlafen und als ich aufwachte um halb sieben Uhr morgens, da hatte ich (ungelogen) meinen Kopf in einem zu kleinen Blecheimer stecken. Aspirin weitete den Blecheimer zwar, aber mein Kreislauf war im Eimer. Vielleicht im selben. Hätte vielleicht im Bett, oder auch nur zu hause bleiben sollen. Zumindest nicht los zu einem zu groß angelegten Gewaltmarsch.
  3. Direkt mal los marschieren wie die Feuerwehr ist ein Fehler, der auch mit Punkt 1 zusammenhängt und Punkt 2 noch verschlimmert, ganz entgegen meiner Annahme.
  4. Besondere Erwartungen hegen ist ein Fehler, denn der Sinn ist ja auch etwas zu erfahren und da stehen einem Erwartungen fast immer im Weg. In der Hinsicht, ist die Erwartung die kleine Schwester vom Vorurteil.
  5. Auf alles vorbereitet sein ist eigentlich nicht das Schlechteste, allerdings ist zu Fuß in Wald, Feld und Wiesen eine gewisse Leichtigkeit gefragt und obwohl ich in meiner Privatfotografie seit einem halben Jahr fast nur noch mit meiner Weitwinkelfestbrennweite fotografiert hab, habe ich noch zwei weitere Objektive mit eingepackt und damit es diese auch schön geschützt haben, noch eine Tasche in den Rucksack gesteckt.
    Ich habe natürlich wieder nur mein Weitwinkel genutzt.
    Kommen wir an dieser Stelle kurz zu den Kolateralschäden: Ich hatte in kürzester Zeit einen verspannten Nacken und der ist mir als Andenken geblieben. Ausserdem schmerzt mein rechter Knöchel bei fast jedem Schritt, wahrscheinlich wegen Überbelastung und vom Humpeln zwickt jetzt auch das Knie.
  6. Das mit dem Essen hab ich gut gemacht. Ich hatte zwar noch ein bißchen über, aber das was ich aß war nahrhaft und hat mich dann noch bei Kräften gehalten, obwohl sonst alles ja eher an diesen zehrte. Angezogen war ich ausserdem auch genau richtig und die Wetterkarten habe ich auch studiert.
    Das hab ich gut gemacht, da bin ich stolz auf mich.
  7. Ich hatte zwar eine gute Wegbeschreibung für eine Route, die zum größten Teil abseits markierter Wanderrouten war und hab mich auch prima dran gehalten. Als ich dann aber für den letzten Teil einer markierten Wanderroute folgen sollte, dann hätte ich das auch in die richtige Richtung machen sollen. Zum Glück hat mir ein aufmerksamer Wegweiser aufgezeigt, dass sich der Abstand zwischen mir und meinem Ziel vergrößert und nicht verringert.
    Das ist sehr frustrierent, wenn man sowieso schon seit einigen Kilometern alles um einen herum verflucht hat und auch mit dem Zählen der toten Punkte nicht mehr nachkommt. So erklärte sich dann, wie aus 17 etwa 22 Kilometer wurden.
  8. Watch your steps: Bin dann irgendwann aus dem Wald gestolpert, hab mein Auto gesehen und bin tatsächlich noch so spektakulär auf einer nassen Holztreppe ausgerutscht und auf den Hintern gefallen, dass dem zufällig anwesenden Mountainbiker Angst und Bange wurde.
    Wie durch ein Wunder blieb mein Steiß unberührt.
  9. Tja, das Fotografieren. Wenn man sich schon abhetzt beim Wandern, dann ist fürs Fotografieren ja auch keine Muße da. Das ist schon schade.
    Es gab Zeiten, wenn ich da mit meiner Kamera unterwegs war, habe ich mich komplett einlassen können und habe an nichts weiter gedacht als ans Fotografieren.
    Eine Art fotografisches Zen. :-) (Vorsicht jetzt beim weiterlesen. Gefährliches Terrain.)
    Man ist nur noch Auge und Kamera und alles was nicht Bild ist und Bild wird, wird unwichtig. Man löst sich auf und der Zustand in dem man ist, der bleibt in den Bildern. Zumindest für mich. So war das damals in Lissabon, wo ich tagelang durch die Stadt trieb und das Licht durch die Kamera fühlte und wenn ich mir die Bilder jetzt, fünf Jahre später anschaue, dann ist die Erinnerung an diese Tage und dieses Gefühl so unmittelbar und deutlich wieder da, dass ich melancholisch werde, weil ich weiß, dass es sich nie wieder so wird wiederholen lassen.
    Im vergangenen Sommer ist mir ähnliches passiert. Ich bin auf Formentera an der Küste entlang gewandert und bin so vielem begegnet. (Nur keinem Menschen.) Da sind auch tolle Fotos entstanden, an denen ich aber noch herum grüble. Ich stelle sie aber bestimmt bald hier im Blog vor.

 .

Dieses zur Ruhe kommen war der eigentliche Zweck der ganzen Übung. Dieses zu Ruhe kommen fällt mir allgemein zunehmend schwerer.

Was so ein selbstreflektionistisches Geschreibsel in einem Blog über Fotografie zu suchen hat?

Ich weiß es.

Und es hilft mir.

Fotografie funktioniert nicht nur über Fotos machen und anschauen. Man muss sich mit den Dingen beschäftigen die man tut.

@Vor 3 Jahren mit 1 Anmerkung

More of that useless trees

Ich war heute wieder mit Sohnemann im Wald.

Mein Trees-Projekt entstand in einer Testphase mit einer Sinar P2 Fachkamera mit Digitalrückteil, als ich mich anfing zu fragen, was man denn noch alles tolles damit machen kann. Seitdem fotografiere ich eben Wälder und bilde mir ein, dass das eigentlich Architekturfotografie ist. Entstanden sind dabei, teilweise als Softwarebug-basiertes Nebenprodukt, auch Bilder wie diese hier:

Das waren mehr oder weniger Zufälle, bei denen es sehr schwer war diese zu reproduzieren, oder eine Serie daraus entstehen zu lassen.
Doch jetzt mitlerweile habe ich, zumindest in meinen Augen, einen formalen Weg gefunden, der nicht nur aktuell funktioniert, sondern sich auch noch weiterentwickelt und mir von selbst immer mehr Aspekte offenbart, die wie kleine Zahnrädchen ineinander greifen.

Wieviel Spaß es machen kann, einfach für ein bis zwei Stunden in den nahegelegenen Wald zu gehen und “passieren zu lassen”.

Ein sehr schönes Gefühlt, das ich schon lange nicht mehr hatte und seit dem mich die “professionelle Fotografie” korrumpiert hat, sowieso nur noch ganz selten. :-)

Die bisherige Serie gibt es hier.

@Vor 3 Jahren

Julius Shulmann

Als ich vor ein paar Jahren los zog mit 30 Kilo Ausrüstung auf einer Sackkarre, die ich dann durch Köln zerrte um das erste mal mit der Fachkamera zu arbeiten, da war mein Ziel Architekturfotografie zu machen. Und auch wenn ich wußte, dass ich unmöglich Bilder machen kann, wie Julius Shulmann sie gemacht hat, weil man dafür auch die richtigen Motive braucht, so war er zu der Zeit vielleicht mein größter Inspirator.

Wenn jemand an die Häuser im Stil der amerikanischen Moderne denkt, dann denkt er wahrscheinlich ohne es zu wissen an Shulmanns Bilder, denn seine ikonografischen Darstellungen passten perfekt in diese Zeit als Architektur und Design zu einem verschmolzen, wie nie vorher und wahrscheinlich auch nicht danach. Während manche stilistisch revolutionäre Bauten heute zu bizarren Ruinen verfallen, ist sein Gesamtwerk immernoch stilbildent und in seiner Technik, Präzision, Linienführung und Bildgestaltung absolut beeindruckend.

Julius Shulmann starb im Sommer letzten Jahres in Los Angeles, wo wahrscheinlich auch die meisten Motive von ihm zu finden sind.
Innenarchikturblogs würden ohne ihn wahrscheinlich anders aussehen.

Vom 17.10.2010 bis zum 27.02.2011 zeigt ZEPHYR in den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim die europaweit größte Ausstellung zu seinem Lebenswerk. Zu sehen sind dort auch recht unbekannte Aufnahmen, die er noch in den letzten Jahren seines Lebens gemacht hat.

ZEPHYR – Raum für Fotografie

Hoffe sehr, dass ich mir das angucken kann…

(Quelle: photoscala.de)

@Vor 3 Jahren mit 1 Anmerkung

Das kleine Einmaleins des ausgedruckten Bildes

Spiegel-Online veröffentlicht hier einen Test, der mit den zur Zeit geläufigsten Anbietern professioneller Ausbelichtungen und Drucken von der Zeitschrift c’t gemacht wurde.

Er ist sehr ausführlich, liest sich glaube ich für Laien recht flüssig und hat auch für “Profis” sehr viel Information zu bieten. Bestätigen kann ich die gute Arbeit, die fotocommunity prints bietet, die für die Ausstellung 41°N 2°E Barcelona sämtliche Bilder ausbelichtet haben und dass mir im direkten Vergleich auf der Photokina gedruckte Bilder auch besser gefielen als ausbelichtete, aber auch vor allem, weil ich lieber ein bißchen Papier sehe, als eine glatte Kunststoffoberfläche.

Für die Ausstellung Lissabon - Porto. Zwei Ansichten, die ich letztes Jahr zusammen mit Christian Fischer gemacht habe, haben wir einen Kölner Fineartdrucker gewählt, dessen Namen und Adresse ich noch nachreichen werde. Da wir beide recht klassisch schwarzweiß fotografiert haben und die Kosten im Rahmen bleiben sollten, wurden die Bilder auf dem sehr schönen Papier Baryta von Hahnemühle gedruckt, dass dem Barytfotopapier nachempfunden war. Für den eher dunkleren Ausstellungsraum war das Papier zusätzlich mit Aufhellern behandelt. Dass diese nach einer gewissen Zeit ihre Wirkung verlieren war uns nicht bewußt.
Da die Bilder aber seit über einem Jahr in einer Portugiesischen Weinbar hängen, in der auch geraucht wird und wir uns, auch wegen der schönen Oberfläche des Papiers, dazu entschieden haben die Fotos nicht zu schützen, ist das wohl sowieso egal. Auf Forex aufgezogen wurde von Rahmen Rosenthal aus der Kölner Südstadt, dem ich schon allein wegen seiner grenzenlos ruhigen Art schon länger mein Vertrauen schenke. Selber machen kann man das allerdings auch, wenn man halbwegs geschickt ist, Geduld hat und bereit ist erstmal ein wenig Lehrgeld zu zahlen. Forex ist oft in Künstlerbedarfsläden zu finden und wird auch schonmal auf die richtige Größe zugeschnitten verkauft.

Da den Besitzern die Fotos anscheinend ans Herz gewachsen sind, kann man sich die Ausstellung auch immer noch ansehen. Die sehr schöne Weinbar Saudade findet man in Köln-Ehrenfeld in der Wahlenstaße, fast direkt an der Ecke zur Venloer Staße. Ich empfehle kurz nach der Öffnung zu kommen, denn dann wird der sonst sehr sparsam, aber gemühtlich beleuchtete Raum noch durch Tageslicht erhellt. Ausserdem muss man die Bilder dann nicht über die Köpfe anderer Leute hinweg betrachten, die sich dadurch vielleicht gestört fühlen könnten. Der Käsekuchen ist großartig und wer Wein mag, wird sich schon wohl fühlen, nehme ich an.

Das Bild oben wurde übrigens während der Vernissage von Nadia Zaboura fotografiert und meine ausgestellten Fotos von Lissabon finden sich auf meinem Flickraccount. Sind auf Papier aber natürlich noch zehn mal schöner…

@Vor 3 Jahren mit 1 Anmerkung